Schreiben an Arbeitsminister Laumann

Sehr geehrter Herr Arbeitsminister Laumann,

ich beziehe mich auf die Berichterstattung zu Ihrer Indienreise und möchte dazu Stellung beziehen:
• Ich importiere seit 21 Jahren Grabmale aus Indien. Die Entstehung der 
   indischen Grabmalindustrie habe ich in den gesamten Jahren mitverfolgen
   können.
• Kinder- und Sklavenarbeit ist in jeglicher Form abzulehnen. Die ILO 182 ist
   einzuhalten.
• Die Ideen von Herrn Pütter konnten mich zunächst begeistern. Darum habe
   ich mich als einer der Ersten für die Umsetzung mit eingesetzt. Mit Pütter
   habe ich in Freiburg ein Radiointerview gemacht und an einigen
   Podiumsdiskussionen teilgenommen. Anläßlich des Katholikentages 2008 in
   Osnabrück habe ich gemeinsam mit Herrn Dr. Blüm, Herrn Pütter, Prof. Sayer
   und Rechtsreferenten auf dem Podium diskutiert. Bedauerlicherweise wird z.
   Zt. polemisiert und diffamiert, so daß ich mich für Xertifix derzeit nicht
   engagieren kann.

• Nachfolgend erläutere ich Ihnen meine Sichtweise:
o 1. Kinderarbeit ist in Indien per Gesetz verboten.
o 2. Die gewonnenen Granitblöcke werden sowohl in Indien verarbeitet als
   auch in die gesamte Welt exportiert. Aus diesem Rohmaterial werden
   Pflastersteine, Fliesen, Küchenarbeitsplatten, Bürofassaden, Möbel, Grabmale
   und vieles mehr hergestellt. Da in diesem Bereich das Grabmal das Produkt
   mit den meisten Emotionen ist, wird die gesamte Steinmetzbranche
   unzulässig diffamiert
o Glauben Sie nicht, daß sich bei einem angekündigten Besuch eines deutschen
   Arbeitsministers zufälligerweise Kinder hinter den Büschen befinden.
o Bei meinen ständigen Besuchen in Granitbrüchen sehen Sie immer wieder
   Kinder und Jugendliche, die Granitbrocken zum Straßensplit für den lokalen
   Straßenbau zerkleinern. Dieses lehne ich ab, geschieht aber unabhängig
   davon, ob Rohblöcke für die Weiterverarbeitung gewonnen werden oder
   nicht. In den weiterverarbeitenden Fabriken habe ich auf eine Ausnahme
   keine Kinderarbeit entdecken können.
o Ich halte den Verbleib der Wertschöpfungskette in Indien für den Aufbau des
   Sozialproduktes für wichtig.
o Mir liegen regierungsamtliche Dokumente vor, daß unsere Lieferanten nach
   den indischen Landesgesetzen einwandfrei arbeiten. Pütter behauptet, daß
   jedes Regierungsdokument gefälscht ist.
o Xertifix erhebt den Alleinanspruch, Brüche in Indien flächendeckend
   kontrollieren zu können.
o Xertifix ist nicht gemeinnützig.
o Meine Frage nach der Absicherung der Durchgriffshaftung (Xertifix hat
   gesiegelt und jemand hat doch vor Ort Kinderarbeit festgestellt) wurde mit
   der "persönlichen Reputation unseres 1. Vorsitzenden Dr. Norbert Blüm"
   beantwortet.
o Jede Einkaufsrechnung ist an Xertifix weiterzuleiten. Eine Bestätigung vom
   Zollamt, Bank o.ä. hinsichtlich der Höhe der Importe und der somit zu
   berechnenden Lizenzgebühr wird abgelehnt. Dies widerspricht jeglicher
   kaufmännischer Vorgehensweise.
o Die Argumentation, daß an jedem Grabmal Kinderblut klebt ist genauso
   abwegig wie ein Argument, daß jede Landmaschine befleckt ist, da der Stahl
   mit Energieträgern hergestellt wurde, der möglicherweise aus einer
   russischen oder chinesischen Kohlegrube stammt. 

• Fazit: Kinderarbeit und ausbeuterische Sklavenarbeit ist grundsätzlich in
   a l l e n Bereichen abzulehnen. Kinderarbeit ist auch in Indien illegal. Die
   Bekämpfung illegaler Kinderarbeit sowie die Schaffung entsprechender
   Arbeitsbedingungen kann m. E. nur in Zusammenarbeit mit den zuständigen
   regionalen und überregionalen Regierungsstellen erfolgen. Die
   unrechtmäßige Diffamierung einzelner Produktgruppen ist abzulehnen. Ich
   schlage vor, daß Sie mit den Arbeitsministerien vor Ort Kontrollgremien
   installieren, die a l l e für den Export vorgesehenen Produkte lizenzieren.
   Damit ist eine unabhängige Kontrolle vor Ort gewährleistet. Jeder Importeur
   wird zu einer Abgabe verpflichtet, die die Finanzierung sichert. Für
   weitergehende Gespräche stehe ich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Ludger Rembeck

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